Gravel Bike Tour für den guten Zweck: Von Dakar nach Appenzell
- Andreas Scherrer

- 1. März
- 4 Min. Lesezeit

6'000 Kilometer zwischen Wüste, Wind und Zuhause
Die Idee, mit dem Fahrrad von Dakar nach Appenzell zu fahren, mag auf den ersten Blick verrückt erscheinen. Für mich ist sie jedoch eine bewusste Entscheidung. Am 1. April starte ich in Dakar, mit meinem Gravelbike, alleine, mit Gepäck – und mit dem Ziel, rund 6’000 Kilometer später in Appenzell einzufahren.
Diese aussergewöhnliche Gravel Bike Tour ist mehr als ein sportliches Projekt. Sie ist eine Reise durch Klimazonen, Kulturen und innere Zustände. Sie führt mich entlang der westafrikanischen Küste, durch Mauretanien und die Westsahara, weiter durch Marokko und Europa – zurück zum Zentrum der Welt - meine Familie in Appenzell. Und sie verbindet Abenteuer mit Sinn.
In diesem Blogbeitrag möchte ich meine konkrete Route, die realen Herausforderungen und die Gedanken hinter dieser Reise teilen.
Die Route: Von Dakar nach Appenzell
Die Reise beginnt in Dakar, der lebhaften Hauptstadt Senegals, und endet in Appenzell – meiner Heimat im Alpstein. Dazwischen liegen tausende Kilometer Asphalt, Sand, Küstenwind und Weite.
Ich fahre im April los, bewusst entlang der Küstenroute. Von Dakar geht es über die N8 und die Route de Gandiol Richtung Saint-Louis. Danach überquere ich bei Diama die Grenze nach Mauretanien. Von dort folge ich der N2 Richtung Nouakchott und weiter entlang der Küste bis Nouadhibou.
Nach dem Grenzübertritt bei Guerguerat beginnt die lange Passage durch die Westsahara auf der RN1 – vorbei an Dakhla, entlang des Atlantiks, durch endlose, karge Landschaft. In Marokko führt mich die Route weiter über Agadir, Tiznit und Richtung Marrakesch. Anschliessend geht es via Spanien und Frankreich durch das Rhonetal – zurück nach Appenzell.
Diese Strecke ist kein touristischer Klassiker. Sie ist roh, windanfällig, teilweise einsam – und genau deshalb reizvoll.
Die Etappen der Tour
Die Tour ist in mehrere Etappen unterteilt, die jeweils eigene Charaktere haben und unterschiedliche Anforderungen stellen.
Dakar (Senegal) - Mauretanien
Der Start in Dakar ist intensiv. Verkehr, Hitze, Geräusche – und plötzlich bin ich mittendrin. Entlang der Küste Richtung Saint-Louis wird es ruhiger. Die Landschaft wird flacher, der Atlantik begleitet mich, der Nordpassat erinnert mich täglich daran, dass ich nicht alles kontrollieren kann.
Die Temperaturen im April sind bereits hoch. Wasserplanung ist hier kein Detail, sondern eine Grundvoraussetzung.
Mauretanien - Marokko (Küstenstrasse der Westsahara)
Mauretanien ist Weite. Zwischen Nouakchott und Nouadhibou gibt es Abschnitte, in denen ich stundenlang geradeaus fahre. Kaum Schatten, kaum Infrastruktur, oft kräftiger Gegenwind.
Die Westsahara ist nochmals eine eigene Welt. Die RN1 zieht sich scheinbar endlos entlang der Küste. Links der Atlantik, rechts die Wüste. Militärische Checkpoints, lange Distanzen zwischen Versorgungsmöglichkeiten – und viel Zeit zum Nachdenken.
Hier wird aus einer sportlichen Herausforderung auch eine mentale Reise.
Marokko - Spanien
Ab Agadir verändert sich die Atmosphäre. Mehr Verkehr, mehr Leben, mehr Dynamik. Die Strecke bleibt fordernd, insbesondere mit Gepäck. Marrakesch markiert für mich einen Übergang – von Afrika nach Europa.
Die Überfahrt über die Strasse von Gibraltar ist nicht nur geografisch ein Einschnitt. Es ist das Verlassen eines Kontinents, der mich gefordert und geprägt hat.
Frankreich nach Appenzell (Schweiz)
Durch Spanien und Frankreich fahre ich weiter Richtung Rhonetal. Die Landschaft wird grüner, strukturierter, vertrauter. Und dennoch sind die Beine müde, die Kilometer spürbar.
Die letzte Etappe führt mich zurück nach Appenzell.
Die Herausforderungen der Tour
Eine solche Tour bringt zahlreiche Herausforderungen mit sich – physisch, psychisch und logistisch.
Physische Herausforderungen
Lange Strecken: Täglich plane ich mit 100 oder mehr Kilometern – abhängig von Wind, Versorgung und Gelände. Es gibt nur wenige Erholungstage mit Hotelkomfort, hauptsächlich Regeneration im Rhythmus der Strecke.
Schwieriges Terrain: Die Route besteht grösstenteils aus Asphalt, doch Wind, Hitze und teilweise schlechter Strassenbelag machen jede Etappe anspruchsvoll. Mein Gravelbike ist sportlich ausgelegt – fast mit Rennradcharakter. Effizienz ist entscheidend.
Psychische Herausforderungen
Einsamkeit: In Mauretanien und der Westsahara gibt es Abschnitte, in denen ich über Stunden niemandem begegne. Diese Einsamkeit kann befreiend sein – aber auch herausfordernd.
Motivation: Es wird Tage geben, an denen Gegenwind und Hitze zermürben. Motivation entsteht dann nicht aus Euphorie, sondern aus Disziplin und Klarheit über das eigene „Warum“. Nach Hause fahren - Familie.
Logistische Herausforderungen
Unterkunft: Nicht überall gibt es Unterkünfte. Teilweise bin ich auf einfache Herbergen oder das Zelt angewiesen. Flexibilität ist Pflicht.
Verpflegung: Wasser ist in bestimmten Abschnitten limitierend. Ich muss genau planen, wo ich nachfüllen kann. Energiezufuhr ist nicht Luxus, sondern Voraussetzung, um sicher ans Ziel zu kommen.
Die Vorbereitung auf die Tour
Diese Reise beginnt lange vor dem Start in Dakar.
Fitness und Training
Regelmässiges Training: In den Monaten vor der Abreise habe ich gezielt Ausdauer aufgebaut – lange Fahrten, Höhenmeter, Windtraining. Der Körper muss vorbereitet sein, bevor er täglich 100+ Kilometer leisten soll. Wie kann man sich besser vorbereiten als mit einer Tour vom Nordkapp nach Appenzell im Juni/Juli 2025.
Testfahrten: Ich habe Material und Setup mehrfach getestet – insbesondere Reifenwahl und Gepäckverteilung. Auf einer 6’000 Kilometer langen Strecke gibt es keinen Platz für grundlegende Experimente. Natürlich immer wieder mit Dani vom Dani's Velolade in Steinegg angepasst und optimiert
Ausrüstung
Fahrradwahl: Mein Gravelbike von KOBA ist leicht, effizient und robust – aber bewusst sportlich. Es ist kein Expeditionspanzer, sondern ein schnelles Langstreckenbike. Das verlangt sauberes Fahren und gutes Materialmanagement.
Ausrüstung: Minimalistisch, aber funktional. Werkzeug, Ersatzteile, Wasserreserven, Navigation – alles hat seinen festen Platz.
Ernährung
Gesunde Ernährung: Ich setze auf einfache, verfügbare Energiequellen – ergänzt durch bewusste Ernährung, wo immer möglich. Der Körper ist mein Motor.
Hydration: In Westafrika ist Hydration ein strategischer Faktor. Dehydration ist keine Option.
Der gute Zweck hinter der Tour
Diese Gravel Bike Tour ist nicht nur ein persönliches Projekt. Sie soll auch Aufmerksamkeit schaffen für das Projekt "Move4Kids". Jeder gefahrene Kilometer hat eine zusätzliche Bedeutung.


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